Künstliche Intelligenz entwickelt sich rasant weiter. Nach ChatGPT, Copilots und Generativer KI ist inzwischen eine neue Entwicklungsstufe in den Mittelpunkt gerückt: KI-Agenten. Sie beantworten nicht mehr nur Fragen oder erstellen Texte. Sie können Aufgaben planen, Entscheidungen vorbereiten, verschiedene Systeme nutzen und Prozesse weitgehend selbstständig ausführen.

Damit verändert sich auch die Rolle von KI im Unternehmen. Aus einem digitalen Werkzeug wird zunehmend ein digitaler Mitarbeiter. Für Unternehmen entstehen dadurch enorme Chancen – gleichzeitig aber auch neue Fragen rund um Verantwortung, Kontrolle und Sicherheit.

Was sind KI-Agenten?

Ein klassischer KI-Assistent reagiert auf eine konkrete Anfrage. Ein KI-Agent geht einen Schritt weiter. Er erhält ein Ziel und entscheidet innerhalb bestimmter Grenzen selbst, welche Schritte dafür notwendig sind.

Ein Agent könnte beispielsweise eine Dienstreise organisieren, Termine abstimmen, Angebote vergleichen und Buchungen vorbereiten. Im Vertrieb könnte er Kundeninformationen analysieren, Kontakte priorisieren und nächste Schritte vorschlagen. Im Kundenservice können Agenten Anfragen bearbeiten, Informationen aus verschiedenen Datenquellen zusammentragen und Prozesse selbstständig anstossen.

Der entscheidende Unterschied liegt damit in der Handlungsfähigkeit. KI wird nicht mehr nur gefragt, sondern bekommt Aufgaben übertragen.

Vom Copilot zum Kollegen

Genau diese Entwicklung dürfte für viele Unternehmen entscheidend werden. Laut Gartner haben bereits 37 Prozent der befragten Unternehmen KI-Agenten eingeführt, weitere 34 Prozent planen dies innerhalb der nächsten zwölf Monate. Gleichzeitig steigen die Investitionen in Agentic AI deutlich.

Dabei geht es längst nicht mehr nur um einzelne Agenten. Zunehmend entstehen sogenannte Multi-Agent-Systeme. Verschiedene spezialisierte KI-Agenten arbeiten dabei gemeinsam an einer Aufgabe. Einer analysiert Daten, ein anderer recherchiert Informationen und ein dritter bereitet daraus eine Entscheidung oder Aktion vor. Gartner erwartet, dass bereits 2027 ein Drittel der Agentic-AI-Anwendungen mehrere miteinander kooperierende Agenten kombinieren wird.

Für Unternehmen bedeutet das einen grundlegenden Wandel: Nicht mehr jeder Arbeitsschritt muss von einem Menschen angestossen werden. Prozesse können zunehmend im Hintergrund laufen.

Neue Chancen für Unternehmen

Das Potenzial ist gross. KI-Agenten können Routineaufgaben automatisieren, Informationen schneller zusammenführen und Mitarbeitende bei komplexen Prozessen unterstützen. Interessant wird die Technologie besonders dort, wo heute viele einzelne Programme, Datenquellen und manuelle Arbeitsschritte miteinander verbunden werden müssen.

So könnte ein KI-Agent künftig nicht nur einen Bericht erstellen, sondern zunächst Daten aus verschiedenen Systemen sammeln, diese analysieren, Auffälligkeiten erkennen und anschliessend konkrete Handlungsmöglichkeiten vorschlagen. In einigen Bereichen könnte er innerhalb klar definierter Regeln sogar direkt eine Aktion auslösen.

Damit verändert sich Digitalisierung erneut. Statt einzelne Prozesse lediglich effizienter zu machen, können Unternehmen komplette Abläufe neu denken.

Kontrolle bleibt entscheidend

Je mehr Aufgaben KI-Agenten übernehmen, desto wichtiger werden klare Grenzen. Wer darf auf welche Daten zugreifen? Welche Entscheidungen darf eine KI selbst treffen? Wann muss ein Mensch eingreifen? Und wer trägt die Verantwortung, wenn ein autonomes System einen Fehler macht?

Gerade diese Fragen werden 2027 deutlich stärker in den Vordergrund rücken. Gartner geht davon aus, dass bis 2027 zahlreiche Unternehmen autonome Agenten wieder zurückstufen oder abschalten werden, weil Governance-Regeln nicht ausreichend definiert wurden.

Technologie allein reicht deshalb nicht aus. Unternehmen brauchen klare Zuständigkeiten, Sicherheitsstandards und Regeln für den Umgang mit autonomen Systemen. Die wichtigste Frage lautet künftig nicht nur: Was kann die KI? Sondern auch: Was darf die KI?

Die passenden Experten zu Agentic AI

Wie KI-Agenten unsere Arbeitswelt verändern, lässt sich aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Genau hier können Digital- und KI-Experten Orientierung geben.

Carsten Kraus verbindet technologische Expertise mit unternehmerischer Erfahrung. Als KI-Experte, Visionär und Investor beschäftigt er sich mit den wirtschaftlichen Möglichkeiten künstlicher Intelligenz und damit, wie Unternehmen aus neuen Technologien konkrete Wettbewerbsvorteile entwickeln können.

Sarah Lewandowski zeigt, wie Generative KI und neue digitale Werkzeuge bereits heute in Unternehmen eingesetzt werden können. Dabei steht nicht allein die Technologie im Mittelpunkt, sondern vor allem die praktische Anwendung im Arbeitsalltag.

Thilo Stadelmann bringt als KI-Forscher eine wissenschaftliche Perspektive ein. Er beschäftigt sich mit der Entwicklung leistungsfähiger KI-Systeme und damit, welche Chancen, Grenzen und gesellschaftlichen Fragen durch die zunehmende Automatisierung entstehen.

Sven Göth richtet den Blick stärker auf die strategische Ebene. Als Business Futurist verbindet er künstliche Intelligenz mit Innovation, Transformation und neuen Geschäftsmodellen. Seine zentrale Frage lautet: Wie müssen Unternehmen heute handeln, um in einer zunehmend automatisierten Wirtschaft erfolgreich zu bleiben?

Sebastian Kister kennt die Konzern-Transformation. Er ist Experte für Agentische KI und digitale Souveränität und beschäftigt sich mit der Frage, was beides mit uns Menschen macht. Agenten erzeugen Agenten, delegieren und handeln. Wer diese Schicht nicht beherrscht, lagert keine Rechenleistung aus, sondern Entscheidungsfähigkeit.  

Alle fünf gehören bei DIGITAL REDNER zu den Experten für Künstliche Intelligenz, Digitalisierung, Innovation und Digital Leadership.

Der Praxistest

KI-Agenten werden nicht plötzlich ganze Unternehmen autonom steuern. Doch der Übergang vom KI-Assistenten zum handelnden KI-System hat bereits begonnen. Für viele Unternehmen wird sich nun zeigen, welche Anwendungen tatsächlich Mehrwert schaffen – und welche lediglich technologischer Hype bleiben.

Auch das gehört zur Entwicklung. Gartner rechnet damit, dass bis Ende 2027 mehr als 40 Prozent der Agentic-AI-Projekte eingestellt werden könnten, etwa wegen hoher Kosten, fehlendem Nutzen oder unzureichender Risikokontrolle.

Die entscheidende Aufgabe für Unternehmen lautet deshalb nicht, möglichst viele KI-Agenten einzusetzen. Entscheidend ist, die richtigen Aufgaben zu identifizieren, klare Regeln zu schaffen und Technologie dort einzusetzen, wo sie Menschen wirklich unterstützt.

KI-Agenten werden damit zu einem der wichtigsten Digitalisierungsthemen der Zukunft – und zu einer zentralen Frage für Führung, Organisation und die Zukunft der Arbeit.

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